Sonntag, 20. Mai 2012

Mein Lieblingsblick - Arrivederci, e a presto

Zwei wundervolle Wochen - es war traumhaft schön und hat gut getan.

Bis zum nächsten Mal verabschiede ich mich mit meinem Lieblingsblick:



Jetzt geht es wieder nach Hause ins Elsass - und da geht es weiter mit

BONJOUR ALSACE (klick)

Spaghettini mit Salsiccia und Tomaten


Es gibt Tage, da habe ich überhaupt keine Lust zu kochen bzw. anschließend die Küche sauber zu machen.
Aber nach Radfahren und über einer Stunde schwimmen habe ich Hunger. Ich habe richtig heftigen Hunger. Es muss was Gutes geben und es darf nicht allzu lange dauern. Und die Anzahl der anschließend zu spülenden Töpfe und Küchengerätschaften muss sich in Grenzen halten: In solchen Fällen geht nur Pasta mit einer köstlichen Sauce.



Zutaten für 2 Personen:

ca. 200 g Spaghettini (ich nehme meistens ein halbes Päckchen, das passt und erspart das Abwiegen)
ca. 1 EL Olivenöl
1 Zwiebel, geschält, halbiert und in Spalten geschnitten
2 Knoblauchzehen, geschält und in Scheiben geschnitten
1/2 Chilischote, in feine Streifen geschnitten
ca. 150 g Salsiccia (ob mit Fenchel, Peperoncini oder naturale ist Geschmackssache), in Stücke geschnitten
eine gute Handvoll aromatische kleine Kirsch- oder Datteltomaten, halbiert
4 Anchovisfilets, klein gehackt
ca. 12 schwarze Oliven, entsteint und halbiert
1 guter Schluck Weißwein
Salz, Pfeffer
frisch gezupftes Basilikum
frisch geriebener Parmesan




Zubereitung:

Pastawasser aufsetzen. In der Zwischenzeit Zwiebel in Olivenöl andünsten, Knoblauch und Chilischote hinzu, Deckel drauf und dünsten. Die Salsiccia in Scheiben schneiden (nicht aus der Pelle drücken, das gibt Hackfleisch) und in die Pfanne geben, ebenso wie die Tomaten. Anchovis und Oliven dazu, mit dem Weißwein ablöschen, salzen, pfeffern.

Die Nudeln ganz knapp ziemlich al dente kochen, abschütten, etwas vom Nudelkochwasser aufbewahren, und unter die Tomaten-Salsiccia-Mischung geben, abschmecken, mit Parmesan und Basilikum mischen und servieren.

Und weil das soooo schnell geht und weil es soooo köstlich schmeckt, ist dies mein Beitrag bei
Cucina Rapida - schnelle Küche für Genießer

Cucina rapida - schnelle Küche für Genießer. Ein Blog-Event von mankannsessen.de



Samstag, 19. Mai 2012

Das ist DER Wohlfühlort: Al Grott Cafe



Al Grott Cafe, Val Resa, oberhalb von Brione
Ruhetag: Montag und Dienstag, ansonsten mittags und abends geöffnet
Saison 2013: wieder geöffnet ab Donnerstag, 18. April
Tel.Nr. 091 730 11 32 oder 079 329 42 58 (bitte vorher reservieren)


Die neueste Ausgabe des Slow Food Führers "Osterie d'Italia" 2012/13 ist vor ein paar Tagen in deutsch erschienen - ich muss sie sofort haben. Und der Kauf hat sich schon gelohnt: Eine grandiose Neuentdeckung! Zum ersten mal bei Slow Food erwähnt: Al Grot Cafe

Kennt Ihr das? Es gibt Orte, da kommt man an, seufzt zufrieden vor sich hin und fühlt sich auf Anhieb wohl. So ging es uns heute beim Besuch dieses am Ende des Val Resa gelegenen Grottos. Ich kann leider keine Adresse zum Eingeben ins Navi hier angeben, die gibt es nämlich nicht. Keine Straße und eine Hausnummer schon gar nicht. Man fährt von Locarno aus Richtung Brione, dann in Brione irgendwann links ab (ausgeschildert) ins Val Resa, vorbei an dem von uns schon häufig besuchten Grotto al Ritrovo. Danach sind es noch ca. 5 Minuten zu fahren bis zum Ende des Val Resa. Also, Fahrzeit von Locarno ca. 20 Minuten.

Und dann ist man an diesem Wohlfühlort angelangt bei Cinzia und Angelo Capella, die das Grotto nun bereits seit 10 Jahren führen. Gekocht wird "wie früher" - unter Bedingungen wie früher: Es gibt hier oben noch keinen Strom. Die Kühlschränke sind mit Gas betrieben. Die neueste technische Errungenschaft war vor zwei Jahren Telefon, erzählt uns Cinzia. Ansonsten wird auf dem offenen Feuer gekocht bzw. es wird grilliert. Z.B. gibt es die Grigliata mista, bestehend aus Luganighe (grobere Schweinsbratwürste), Luganighetta (eine dünnere, der Salsiccia entsprechende Schweinsbratwurst), Schweinehals und Costine (Rippchen). Ansonsten gibt es Rindsfilet, Kalbskotelette oder Lammfilet mit Rosmarinkartoffeln oder Polenta und im Herbst Wildgerichte. Auf jeden Fall wird hier die regionale ursprüngliche Küche gepflegt. Gekocht wird nach Rezepten von der Nonna.

Liebevoll arrangierte Details machen gleich beim Ankommen Freude, so z.B. die frischen Blüten auf den lackierten Holztischen:

Der grüne Gast leistet uns während des gesamten Essens Gesellschaft, er scheint sich hier so wohl zufühlen wie wir auch ;-)

Frisches, knuspriges Brot auf dem Tisch, mit köstlichem Olivenöl, Salz, Pfeffer:

Man beachte die Hand, ganz schnell und heimlich, die die Gelegenheit nutzt, während die Fotografin abgelenkt ist, um sich das beste, knusprigste Endstück aus dem Brotkorb zu stehlen. Gerade noch in flagranti erwischt und auf dem Beweis-Foto für alle Zeiten festgehalten. Warum kann man nicht mal Brot mit ganz vielen knusprigen Endstücken backen?

Wir haben gewählt:  Affetato Misto (mal wieder) für den Signore:


Hier besonders schön arrangiert, dazu eingelegte Gurken und Zwiebeln

und Insalata für mich mit Bresaola und Formaggio di mucca


Anschließend Brasato für den Signore - er hat Glück, außer der sonst üblichen Polenta bekommt er Pasta dazu serviert.






Da wird der Brasato warm gehalten








Und für mich wunderbar rosa gebratene Lammfilets mit etwas Knoblauch und Kräutern. Um der Küche nicht noch zusätzlichen Aufwand zu bereiten, schließe ich mich Gerhard an und esse dazu ebenfalls Pasta. Pasta geht immer!


Dann noch ein köstliches Traubensorbet mit Grappa (ohne Foto, die oben abgebildete Hand war mal wieder schneller).

Die Weinkarte in diesem abgelegenen Grotto hat mich sehr beeindruckt. Natürlich liegt hier, wie meistens im Tessin, die Betonung auf Rot. Aber dafür sind eine große Anzahl ausgezeichneter Winzer vertreten. Sehr gut gefallen hat mir auch, dass es eine größere Auswahl von offen ausgeschenkten Tessiner Weißweinen gibt. Der Signore wählt seinen geliebten Rosato und ich trinke von Guido Brivio Bianco Rovere, denn ich noch nirgendwo sonst offen bekommen habe.

Café - nein, nicht aus der Espressomaschine (die braucht doch Strom), sondern als Mocca auf dem holzbefeuerten Herd gekocht, hmmmm... köstlich, dazu einen 'Grappino del nonno' und anschließend noch einen von Cinzia's Schwester gemachten Lemoncello. Hach, was geht es uns gut hier!

Fazit: Ich habe hier weder einen Fotoapparat noch eine Hundeleine vergessen. Ich brauche auch keinen Wein zu kaufen oder Roberts schönste Bank zu suchen. Ich MUSS da einfach wieder hin!

Osteria Miralago, Vairano, ein grandioser Ausblick

Osteria Miralago, Via Bellavista 1, Vairano/San Nazzaro, Tel. 091 794 16 04
geschlossen: Sonntagabend und Montag und vom 26. Januar bis 10. März 2014 einschliesslich


Wie konnte sich diese Osteria nur so lange vor uns verstecken? Vor genau einem Jahr, nämlich im Mai 2011, haben Alessandra und Matteo diese schöne Osteria wieder neu eröffnet. Unterstützt werden sie im Service durch die charmante Giulia.


Ich habe es früher immer schon bedauert, dass es in dieser schönen Lage mit dem Traumblick keine bessere Küche gibt, man konnte dort höchstens mal ein Glas Wein trinken. Doch jetzt hat sich das geändert und wir werden sicher den Weg nach Vairano hinauf wieder öfter fahren. Mille Grazie, cara Luisa, per questa raccomandazione.

Auch innen wurde sehr schön renoviert. Es gibt einen kleinen Gastraum mit vier Tischen. (Daneben hat es allerdings auch noch einen etwas größeren Speiseraum für Gesellschaften)


Die Speisekarte ist angenehm klein gehalten: Es gibt als Vorspeise Salat, entweder grünen oder gemischten, einen kleinen Ziegenfrischkäse mit Kräutern und Olivenöl oder Salametti oder Minestrone. Ab zwei Personen gibt es diverse Risotti, ansonsten Spaghetti mit Tomatensauce oder Penne dell'Oste - nach Art des Wirtes. Und drei Hauptgerichte: Brasato di Manzo con Polenta (Rindsschmorbraten mit Polenta), Piccata di Maiale con Spaghetti (Schweine-Piccata) UND: Cordon Bleu!!! Und mal wieder opfere ich mich selbstlos im Dienste des Bloggens auf und bestelle - ausschließlich zu Testzwecken natürlich - Cordon Bleu. Gerhard schließt sich mir an; erstens hat er, im Gegensatz zu mir, schon seit längerem kein Cordon Bleu mehr gegessen und zweitens wurde uns die Osteria genau wegen des ausgezeichneten Cordon Bleus empfohlen.
Davor gibt es einen gemischten Salat, der seinem Namen alle Ehre macht, d.h. wirklich gemischt: diverse Blattsalate, Tomate, Möhren, Gurke und gekochte Rote Bete:


und eine unserer Lieblingsvorspeisen: Affetato Misto - ein Teller der köstlichen Tessiner Schinken, Pancetta, Salami und Lardo, den wir selten so liebevoll arrangiert wie hier bekommen:


Dann das berühmte Cordon Bleu, normalerweise mit Pommes Frites serviert, für mich auf besonderen Wunsch allerdings mit Pasta


Getrunken haben wir einen Merlot Bianco von Chiericati, Bellinzona. Es schmeckt köstlich, wir sind begeistert. Leider kann Gerhard kein Schokoladeneis mehr bestellen - es geht nichts mehr! Espresso und der hausgemachte Grappa bzw. für Gerhard ein Abricot passen gerade noch so.

Auf der Homepage der Osteria klick hier kann man das aktuelle Menu, das es von Dienstag bis Freitag mittags gibt, nachschauen. Ab Mai gibt es Samstagabends einen Grillabend mit Salat-Buffet.


Fazit: Wir waren sowohl von Küche als auch von Ambiente begeistert. Vor lauter Begeisterung habe ich vergessen, nach der Füllung für das Cordon Bleu zu fragen.... also, ich MUSS da wieder hin!



Freitag, 18. Mai 2012

Alpe Vicania oder auf der Suche nach Roberts schönster Bank

Ristorante Vicania, Vico-Morcote, Alpe Vicania, Tel. 091 980 24 14



Ein Paradies für Wanderer, Radfahrer, Kinder und ihre Eltern, Pferde und ganz einfach für Genießer wie wir.
Wir sind von Vico-Morcote ca. 20 Minuten hinauf gefahren auf diese Alp. Ein Weg, der immer schmaler wird, die letzte Wegstrecke ist ein ziemlich holpriger Waldweg, der allerdings auch ohne geländegängiges Auto gut zu befahren ist. Die Sonne scheint und vor uns liegt eine Blumenwiese und dann taucht das Landgut mit der schönen Terrasse auf, daneben eine Pferdeweide.


Unterhalb des Ristorante gibt es einen Parkplatz, man darf allerdings auch kurz bis ans Ristorante hinauf fahren, um diejenigen, die nicht so gut zu Fuß sind abzusetzen. Die Terrasse ist kurz nach 12 Uhr schon fast komplett besetzt, wir hatten glücklicherweise reserviert. Trotz des riesigen Andrangs bei diesem schönen Wetter werden wir schnell und sehr zuvorkommend bedient. Die Karte ist dem Besucheransturm angemessen klein gehalten, alles ist hausgemacht und das schmeckt man auch.

Für den Signore gibt es heute Carne salada vom Rind mit grünen Spargelspitzen und Hobel von formaggio vecchio


und für die Signora bitte nicht schon wieder Fleisch, sondern eine köstliche Terrine mit Auberginen und Tomaten mit etwas Basilikumöl und hausgemachtem Möhrenbrot.


Neben Brasato mit Polenta oder Polenta mit Gorgonzola stehen auf der Karte auch ein Schweinefilet in der Guanciale-Senf-Kruste (ein aus Schweinebacke hergestellter luftgetrockneter Speck)

Wir wählen Spinat-Gnocchi mit Streifen von Prager Schinken und geräuchertem Provola


sowie Raviolo, gefüllt mit Ricotta und Birne, dazu feine Späne von Alpkäse


und für den Signore gibt es zum Abschluss noch eine köstliche Mousse au Chocolat


Getrunken haben wir den gutseigenen Bianco Vicania, der uns wunderbar geschmeckt hat. Oenologe ist seit 15 Jahren Michele Conceprio, der seit 2009 auch den mittlerweile schon vielfach ausgezeichneten Castello di Morcote produziert. Weine sowie ein wunderbar aromatisches Olivenöl kann man vor Ort kaufen.

Fazit: Ich muss da wieder hin zum Wein kaufen. Und dann fahren wir an einem etwas ruhigeren Tag hin, vielleicht auch, wenn innen der Kamin brennt.

Abgesehen von dem Besuch des Ristorante Vicania hatte ich noch eine besondere Mission zu erfüllen: Robert hat im letzten Jahr in einem sehr schönen Post Schloss Meggenhorn und die drittschönste Aussichtsbank der Schweiz vorgestellt und dabei erzählt, die für ihn schönste Bank stünde zwischen Alpe Vicania und Morcote. Ich versprach ihm, wenn ich sie finde, ein Foto für ihn und Frau L. mitzubringen.

Robert, ist das die Bank?





Mittwoch, 16. Mai 2012

Benvenuti im Grottino Ticinese, Losone

Grottino Ticinese, Via San Materno 10, Losone (ein paar Autominuten von Ascona), Tel. 091 791 32 30, mittags und abends geöffnet, Ruhetag: Mittwoch




Ja, Benvenuti! Herzlich willkommen! Dieses Gefühl hat man immer bei der Ankunft im Grottino Ticinese bei Sandra und Claudio Zanoli. Typische Tessiner Küche, traditionelle Gerichte, eine gleichbleibend gute Qualität, schöne Weine und vor allem: hier wird Wert auf Regionalität gelegt.


 Nachdem ich eine Woche alleine Urlaub im Tessin gemacht habe, freute ich mich gestern sehr, als Gerhard wieder zurück aus D kam. Eines seiner Lieblings-Grotti ist das Grottino Ticinese und dort habe ich reserviert. Der Fotograf war auch noch im Tessin, den haben wir mitgenommen, der mag das Grottino nämlich auch sehr gerne. Aber damit wir das mal klar stellen: Die Fotos habe ich gaaanz alleine gemacht, er durfte einfach nur so mit ;-)


Also, Tisch rechtzeitig für 3 Personen reserviert - Reservierung ist unerlässlich im Grottino Ticinese. 



Und dann kamen mal wieder die Wiederholungstäter zum Zuge: Gerhard und ich teilten uns einen Teller mit den köstlichen Schinken und Salami und Lardo, der Fotograf bestellte das, was er immer als Vorspeise bestellt: weiße Bohnen nach altem Rezept mit etwas Tomatensugo.


Anschließend gab es für die Signori Brasato, wahlweise mit im Kamin gerührter Polenta oder Tagliatelle


und für die Signora die frittierten Fischlein:


Dazu den köstlichen Cicorietta-Salat aus dem Garten hinter dem Grotto, man schaue hinten rechts auf dem Foto.

Getrunken haben wir den Merlot Bianco von Chiodi, Ascona, den es auch offen gibt. Frisch, jung, spritzig, mir hat er zu den Fischlein sehr gut gefallen. Die Männer waren auch sehr zufrieden mit der Weinwahl, wobei ich mir das zu der kräftigen, dunklen Sauce nicht so gut vorstellen kann - aber ich musste es ja nicht essen bzw. trinken.

Für Gerhard dann der Clou: Nachdem er sich hier häufig mit der wirklich sehr guten, hausgemachten Schokoladencreme begnügen muss, hat Sandra extra ihm zuliebe das wirklich gute Schokoladeneis besorgt - das bekam dann auch gleich auf der GSS 8,5 Punkte. Leider gab es nur eine Kugel, so schnell, wie die aufgegessen war, konnte ich die Kamera nicht zücken ;-)

Dienstag, 15. Mai 2012

Pepe di Valle Maggia e burro - Ein Pfeffer auf Erfolgsreise




Von Ascona oder Locarno kommend geht es in Ponte Brolla abzweigend in eines der schönsten Tessiner Täler: das Valle Maggia. Es reicht vom ersten Ort Avegno bis hinauf nach Fusio und hat zahlreiche, ebenfalls wunderschöne Seitentäler darunter auch das Val di Bosco mit dem höchstgelegenen Dorf des Kantons Tessin: Bosco Gurin, in dem seit mehr als 600 Jahren noch ein deutscher Dialekt gesprochen wird.
Wer sich ausführlich über dieses traumhaft schöne Tal informieren möchte: klick hier

Zwischen den Orten Cevio und Bignaso liegt der Artigianato Punte Verde der Familie Matasci. Und dort gibts den berühmten Pfeffer, den Pepe di Valle Maggia, eine Mischung aus grob geschrotetem Pfeffer, Gewürzen und Weißwein. Diese Pfeffermischung hat mittlerweile einen Siegeszug durch das ganze Tessin angetreten  - und nicht nur dort. Früher sind wir jedesmal hinauf nach Bignasco gefahren, sobald sich unser Pfeffer-Vorrat dem Ende zuneigte. Mittlerweile findet man ihn in jedem besseren Lebensmittelgeschäft oder in vielen Metzgereien im gesamten Tessin. In manchen Grotti steht er auf dem Tisch, um die Salumi, Schinken oder Alpkäse damit zu bestreuen. Zu Ziegenkäse schmeckt er absolut göttlich. Auch in der Minestrone mag ich ihn gerne als Würze. Über ein frisch gegrilltes Kalbskotelette oder Entrecôte gestreut schmeckt er grandios. Bresaola mit Parmesanspänen und Pepe di Valle Maggia sind unschlagbar. Er passt zu Polenta und zu Risotto. Man darf ihn nicht mitbraten oder kochen, sonst verliert er sein besonderes Aroma. Er wird erst kurz vor dem Servieren über das fertige Gericht gestreut. Es handelt sich um eine geheim gehaltene Mischung aus Pfeffer, diversen Gewürzen und Weißwein. Nach Anbruch sollte er im Kühlschrank aufbewahrt werden. 



Wie man sieht, gibt es unglaublich viele Verwendungsmöglichkeiten für den Pepe di Valle Maggia. Doch Astrid von Arthurs Tochter kocht, der ich vor einiger Zeit ein Glas des Pepe mitgebracht hatte, war mal wieder unglaublich kreativ und zauberte das absolut genialste daraus - einfach, schlicht und doch raffiniert: göttlich! Sie hat den Pepe mit Butter, Salz und Portwein vermischt und auf Roastbeef serviert. Astrid, wann wird das verbloggt? Dieses köstliche Foto darfst Du uns nicht vorenthalten.

Portwein zählt nun nicht gerade zu den regionalen Tessiner Erzeugnissen, dafür hats hier aber Grappa! Und was für welchen. Richtig guten! Also, was liegt näher, als es damit zu versuchen. Und was soll ich sagen? Ich war begeistert - es war eine Wucht!



Zutaten:

50 g Butter (oder am besten gleich Salzbutter nehmen)
1 gestrichener TL Salzflocken oder Fleur de Sel
1 - 2 TL Pepe di Valle Maggia
1 (oder auch 2?) EL Grappa

Zubereitung:

Die Butter leicht Zimmertemperatur annehmen lassen und mit den restlichen Zutaten mischen. Zu einer Rolle formen und im Kühlschrank fest werden lassen.

Durch den Grappa bekommt diese Pfefferbutter ein ganz besonderes Aroma und passt wunderbar zu einem gegrillten Kalbskotelette. Ich kann es mir auch sehr gut zu einem Fischfilet oder Jakobsmuscheln vorstellen.

Anmerkung:


Soweit ich informiert bin, gibt es leider noch keine Bezugsquelle für Deutschland. Sollte jemand etwas wissen, wäre ich für einen Hinweis dankbar.
Für in der Schweiz wohnhafte, gibt es klick hier eine Bezugsquelle.


Montag, 14. Mai 2012

Ein grandioses Cordon Bleu mit einer geheimen Käsefüllung

Ristorante al Portico, Gerra/Gambarogno, Tel. 091 794 22 12, Küche: abends ab 18:15 Uhr, mittwochs und sonntags auch mittags, Ruhetage: Montag und Dienstag


Gestern Abend war ich mit dem Fotografen im al Portico Cordon Bleu essen. Es war wunderschönes, warmes Wetter und wir konnten auf der überdachten Terrasse noch bis weit in den Abend sitzen und unser Essen (und den Vino: Terre Alte di Gudo 2010) genießen.


Auf der Tageskarte gab es weißen Spargel, im Tessin eine Besonderheit, findet man da doch eher den einheimischen grünen auf den Speisekarten. Doch gestern war auch hier in der Schweiz Muttertag und da gab es den Klassiker: weißer Spargel mit Hollandaise. Doch auch das konnte mich nicht verlocken: Es musste mal wieder das Cordon Bleu sein, das es im al Portico unnachahmlich gut gibt. Leider konnte ich noch immer nicht in Erfahrung bringen, mit welchen Käsesorten es gefüllt wird. Nur so viel: Es sind drei verschiedene Sorten. Doch welche genau, dieses Geheimnis hütet der Padrone. Ob ich es irgendwann mal herausfinden werde? Lieber Signor Progano, wieviel Cordon Bleu muss ich denn noch bei Ihnen essen, bis Sie mir das Geheimnis endlich verraten? Spätestens ab dem hundertsten, ja? Versprochen?



Womit füllt ihr Euer Cordon Bleu?

Samstag, 12. Mai 2012

Der Tessiner Weinpapst - Urs Mäder und seine Cantina dell Orso

Cantina dell'Orso, Via Circonvallazione 7, Ascona
geöffnet: Montag bis Freitag von 9:00 bis 12:30 Uhr und von 14:00 bis 18:30 Uhr, Samstag durchgehend von 9:00 bis 17:00 Uhr
Parkplätze gibt es ausreichend direkt an der Cantina


Seit nunmehr 18 Jahren gibt es die Cantina dell'Orso in Ascona, zuerst viele Jahre in der Via Orelli und jetzt in diesem schönen, großzügigen hellen Verkaufs- und Degustationsraum mit angeschlossenem Lager in zentraler Lage.

Was ist er nun, der Inhaber der Cantina dell'Orso? Ist er der Tessiner Weinpapst, wie er oft von der Presse tituliert wird? Ist er der Botschafter Tessiner Winzer? Oder ist er schlicht der Weinbär, wie er sich selbst gerne bezeichnet? Er ist auf jeden Fall ein charmanter Plauderer und Wein-Geschichten-Erzähler.

Wer von Tessiner Wein spricht, muss auch von Urs Mäder sprechen. Er hat sich große Verdienste um den Tessiner Wein erworben. Er kennt die Tessiner Weine und Winzer wie kaum ein anderer. Und dass er Weine liebt, das merkt man ihm im Gespräch an.

Weineinkauf in der Cantina dell'Orso ist nicht mal nur schnell Weine aus dem Regal wählen - das ist fundierte Beratung, Fachwissen und Hintergrundinformation von Urs Mäder. Er kennt die bekannten und weniger bekannten Winzer. Er spürt Winzer auf und macht sie bekannt. Und dann erzählt er in seiner Cantina über diese Winzer und ihre Weine mit einer Begeisterung, die ansteckend ist. Man kann nicht anders, man muss diese Weine schon vor dem Verkosten lieben.



Neben Weinen bietet er auch gepflegte Brände, Liköre und die ein oder andere Tessiner Köstlichkeit an.


Übrigens: dieses Regal da oben sieht ein bisschen leer aus - ich war einkaufen!

Von Stefan gibt es viele schöne Videos über das Tessin, eines habe ich auch über die Cantina dell'Orso entdeckt:


Donnerstag, 10. Mai 2012

Eine verspätete Liebeserklärung und Artischocken-Spaghettini mit Büffelmozzarella



Dieses Rezept habe ich vor einer Weile bei Petra von Chili und Ciabatta entdeckt und gleich auf meiner Petra-Nachkochliste gespeichert. Stimmt - ich führe zwei Nachkochlisten: eine Liste mit Rezepten von meistens anderen Foodbloggern (oder aber auch Rezepten, die ich irgendwo im Netz entdeckt habe) und dann als zweites eine "Petra-Nachkochliste". Auf dieser Liste sind ausschließlich Rezepte von Chili und Ciabatta. Irgendwann habe ich mal an einem Wochenende alle Rezepte von Petra, die sie in ihrem Blog veröffentlicht hat, durchgelesen und vieles, was mich sofort angesprochen hat, zum späteren Nachkochen gespeichert. Chili und Ciabatta gibt es seit mittlerweile 8 (ACHT!!!) Jahren. Da kommt schon so einiges an Rezepten zusammen. Aber es sind nicht nur die vielen Rezepte, es ist die Vielfalt und vor allem die Geling-Sicherheit. Petras Rezepte haben alle eine "eingebaute Geling-Garantie" Sie hat eine ganz besondere Art, ihre Rezepte so zu beschreiben, dass nichts schief gehen kann. Die wenigen Male, bei denen beim Nachkochen etwas schief gegangen ist, habe ich das Original-Rezept von Petra abgewandelt - selber schuld!

Ohne Petra gäbe es "Ti saluto Ticino" nicht. Sie hat mich zum Bloggen angeregt und deshalb ist sie für mich meine Blog-Patin. Ohne Petra gäbe es wahrscheinlich auch viele andere Blogs nicht - sie ist wohl so etwas wie die Ur-Patin der Foodblogger. Wahrscheinlich hat sie sogar das Bloggen erfunden ;-)

So, jetzt aber zu Petras Rezept (minimal, aber wirklich nur ganz minimal abgewandelt)




Zutaten für 2 Personen:


1 rote Zwiebel, geschält, gehackt (bei mir in Spalten geschnitten)
1 Knoblauchzehe, geschält, gehackt (bei mir 3!)
1 Schluck Olivenöl
4 kleine Artischocken
1 Bio-Zitrone, abgeriebene Schale und Saft
Salz, Pfeffer
ca. 50 ml Brühe
ca. 200 g Spaghettini
1 Eigelb
125 g Büffelmozzarella
1/2 Tasse Parmesan zum Bestreuen
evtl. nochmals frisch gemahlener Pfeffer


Zubereitung:


1. Die Artischocken putzen: dafür zunächst die äußeren Blätter abbrechen. Dann die Artischocke mit einem Messer schälen, dabei am Stiel beginnen und die Bruchstellen der Blätter glatt schneiden. Den Stiel nach Bedarf einkürzen und bis aufs weiße Innere schälen. Schließlich das obere Drittel quer abschneiden. Alle dunklen Stellen wegschneiden, nur Helles und Gelbes stehen lassen. Das Herz senkrecht halbieren, aus jeder Hälfte mit einem Kugelausstecher das Heu herauskratzen und die Fläche mit dem Messer glatt schneiden. Die Böden in eine Schüssel mit Wasser legen, das mit Zitronensaft versetzt ist. Wenn alle Artischocken geputzt sind, diese in Spalten schneiden.


2. Das Olivenöl in einer breiten Bratpfanne erhitzen, Zwiebeln und Knoblauch darin bei mittlerer Hitze anbraten, die Artischocken dazu geben, ein paar Spritzer Zitronensaft, Salz und Peffer und nach und nach etwas Brühe angießen, sanft schmoren lassen.


3. In der Zwischenzeit den Mozzarella hacken und mit dem Eigelb verrühren.


4. Die Spaghettini sehr bissfest kochen, abgießen, evtl. etwas Nudelwasser auffangen, und in die Pfanne mit den Artischocken geben. Mozzarella-Käse-Mischung ebenfalls zugeben und kräftig unterrühren. Dabei schmilzt der Mozzarella und verbindet sich mit dem Ei und den Spaghettini zu einer wunderbar cremigen Sauce. Zitronenschale und evtl. noch etwas Zitronensaft dazu, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Voilà. Grandios!


Petra schreibt in der ihr üblichen Bescheidenheit: "Sehr fein"
Nein, das ist nicht nur sehr fein, das ist grandios und wer Pasta liebt, wer Artischocken liebt und vor allem, wer Chili und Ciabatta liebt, MUSS das nachkochen!


Liebe Petra, nochmals herzlichen Glückwunsch zu 8 Jahren Chili und Ciabatta







Mittwoch, 9. Mai 2012

Ristorante Roccobello, Gerra-Gambarogno

Ristorante Roccobello, Gerra-Gambarogno, Tel. 091 794 16 19
Montag und Dienstag Ruhetag sowie Mittwochmittag, ansonsten mittags und abends geöffnet
Öffnungszeiten Dezember 2013: 13.-15.12 / 19.-22.12 / 26.12-3.01.201

Glücklich darf sich schätzen, wer so ein wunderbares Restaurant in der Nachbarschaft hat. Entsprechend oft haben wir auch schon das Ehepaar Ruegg in ihrem schönen Ristorante mit dem Traumblick besucht, so z.B. klick hier


Das ist der Blick am frühen Abend von der Terrasse des Roccobello, traumhaft, nicht wahr?

Meistens empfängt einen schon bei der Ankunft der verlockende Duft von Rosmarin und knusprig gebratenen Güggeli und dann kann ich nicht widerstehen. Heute bin ich sehr früh da und kann völlig unbeeinflusst von jedweden verführerischen Gerüchen meine Wahl treffen. 


Ernesto werkelt in der offenen Küche. 


Lachstatar auf kleinem Toast als Amuse Bouche, wunderbar leicht durch Zugabe von Quark im Tatar.


Tintenfisch-Carpaccio mit Wasabi-Creme und Balsamico-Reduktion.
Anfangs störte mich die dunkle Balsamico-Reduktion optisch ein wenig. Doch geschmacklich war es die perfekte Ergänzung zur leichten Schärfe der Wasabi-Creme.

Ernesto ist ein Asien-Fan, das zeigt sich auch manchmal auf der ansonsten eher italienisch-regional gehaltenen Karte. Heute habe ich die Tagesempfehlung, Wolfsbarsch auf Wok-Gemüse mit Reis probiert:


Köstlich, perfekt gebratener Fisch, bissfest gegartes Gemüse, der Bratfond asiatisch abgeschmeckt. 

Wunderbare Desserts soll es hier auch geben, aber ich muss zugeben, dass ich mich heute nicht danach erkundigt habe (zorra, ich gelobe Besserung ;-))

Dienstag, 8. Mai 2012

Hellgrüne cremige Tessiner Polenta mit Erbsen



Polenta ist eines der traditionellen Tessiner Gerichte. In einigen Restaurants wird sie noch von Hand in einem riesigen Kupferkessel auf dem offenen Kaminfeuer gerührt.

In der aktuellen Ausgabe der "Saveurs" habe ich dieses frühlingshafte Rezept entdeckt und leicht abgewandelt.



Zutaten für 2 Personen:

100 g Polenta (kein Instant! Am besten Polenta Integrale)
250 ml Gemüsebrühe
200 ml Milch
100 ml Sahne
40 g gerieb. Parmesan
125 g Erbsen (bei mir von ca. 500 g frischen Schoten ausgepalt), evtl. TK, NICHT aus der Dose!
1 kleine Schalotte, geschält und klein gewürfelt
1 EL Butter



Zubereitung:

Milch und 200 ml Gemüsebrühe (Achtung: etwas für die Erbsen zurück behalten) in einem genügend großen Topf erhitzen und mit einem Schneebesen die Polenta einrühren. Ca. 2 Min lang rühren, dann ganz leise blubbern lassen. Deckel drauf und in Ruhe lassen. Die Polenta muss NICHT ständig gerührt werden. Während 30 - 40 min auf dem Herd lassen, ab und zu mit einem Holzspatel aufrühren und wieder zudecken. Evtl. noch etwas Gemüsebrühe dazu geben, sie darf nicht fest werden, sondern sollte eine cremige Konsistenz behalten. Die Sahne zufügen (bei mir Milch), mit Salz und Pfeffer abschmecken und einen EL Butter unterrühren. Es macht übrigens nichts, wenn die Polenta am Topfboden leicht anschlägt, sie sollte nur nicht dunkel werden.

Während die Polenta gar zieht, das Erbsenpüree zubereiten: Schalottenwürfel in etwas Butter während 5 Min. andünsten, dann die Erbsen mit ca. 50 ml Gemüsebrühe hinzu, Deckel drauf und ca. 10 min weich dünsten. In einen Mixbecher geben und mit dem Zauberstab mittelfein pürieren. Unter die heiße Polenta rühren, mit Parmesan bestreuen. (Ich hatte noch ein paar fein geschnittene Bärlauchblätter darüber gegeben.)

Fazit: Es hat köstlich geschmeckt - ich könnte sie mir auch sehr gut mit weißer Polenta vorstellen und als Beilage zu Fisch oder Meeresfrüchten passt das sicherlich ganz wunderbar.

Und weil es so eine schöne hellgrüne Farbe hat, wird das mein zweiter Beitrag zu Uwes cookbook of colors.

HighFoodality Blog-Event Cookbook of Colors